Es gibt viele Menschen, die von sich sagen, sie seien Züchter. Was macht einen Züchter aus?
Ist man automatisch Züchter, sobald man Tiere verpaart und Nachwuchs bekommt?

Ich möchte Euch heute ‘mal anhand von Meerschweinchen den Unterschied zwischen einer seriösen Zucht und einem Vermehrer erklären.

Der Vermehrer hat zwei Meerschweinchen (oder mehr) und verpaart diese nach Lust und Laune. Oft stammen diese Tiere aus Zoohandlungen, Tierheimen oder wurden von Privat übernommen. Es sind Rassemixe über deren Herkunft nichts oder wenig bekannt ist. Die weiblichen Tiere werden sehr oft trächtig. Wohin die Babys kommen, interessiert den “Tierfreund” nicht. Der Nachwuchs wird produziert und verkauft. Ja, Babys sind ja auch sowas von niedlich….. Es wird nicht auf Gesundheit der Tier oder die richtige Genetik geachtet. Hauptsache, es ist hübscher Nachwuchs, der sich gut und schnell verkaufen lässt. Notfalls kommen die Babys in den Zooladen oder werden verschenkt, was die Schlangenbesitzer besonders freut.

Der Züchter spezialisiert sich meist auf eine oder bis zu drei Rassen und Farben. Alle seine Zuchttiere haben einen Stammbaum und die Herkunft ist bekannt. Es werden nur gesunde Tiere verpaart und ein Weibchen bekommt zwischen den Geburten mind. 6 Monate Pause. Zudem werden sie nicht öfter als 3-4 mal in Ihrem Leben gedeckt, oft sogar weniger. Danach gehen diese Tiere in “Rente”. Sie bleiben beim Züchter oder bekommen ein neues Liebhaberzuhause.

Ein Züchter verdient mit seiner Zucht kein Geld, sondern es ist wie ein Hobby. Sein Ziel ist es, eine bestimmte Rasse und Farbe zu perfektionieren. Er verkauft nicht alle seine Babys, sondern lediglich
diese, die er nicht für die weitere Zucht nutzen kann. Er achtet sehr darauf, blutsfremde Tiere zu verpaaren, um eine Inzucht und Missbildungen zu vermeiden. Hat ein Weibchen eine schwere Geburt oder sogar
einen Kaiserschnitt gehabt, geht dieses Tier in Rente. Ihr werdet beim Züchter keine Mischlinge finden.
Ein seriöser Züchter achtet darauf, wo seine Tiere hinkommen. Manche vermitteln sogar schon mit Schutzvertrag an Liebahber. Andere Züchter, die bei ihm Tiere kaufen, bekommen einen Stammbaum zu jedem Tier. Für die neuen Halter, die ein Tier bei ihm erwerben, ist der Züchter zugleich ein Ansprechpartner, wenn Probleme oder Fragen auftauchen. Viele Züchtern vermitteln ihre männlichen Liebhaber nur kastriert.
Ein seriöser Züchter hat eine Prüfung abgelegt, z.B. beim MFD (Meerschweinchenfreunde Deutschland) und kann dies auch nachweisen. Viele Züchter sind dort Mitglied.
Auch die Haltung seiner Tiere liegt dem Züchter am Herzen. kleine, enge Buchten in den die Tiere hausen wirst Du hier nicht finden. Auch die Zuchtböcke werden nicht alleine gehalten sondern betreuen z.B. die Babyböckchen oder haben einen festen Partner.

Warum ist die Genetik so wichtig?

Viele glauben, wenn sie ein schwarzes Meerschweinchen mit einem schwarzen Meerschweinchen verpaaren, ergibt dies schlussfolgernd schwarze Jungtiere. Dann ist die Überraschung groß, wenn die Babys slate blue oder weiß sind. Wieso ist das so? Jedes Tier hat eine Fellfarbe und hat Trägereigenschaften, die man nur im gut geführten Stammbaum erkennen kann. So kann ein schwarzes Tier slate-blue in der Genetik tragen und so auch slate-blue Babys zeugen. Viel wichtiger als nur die Farben, ist die Gesundheit der Tiere. Zooladentiere und Tiere aus Vermehrungen können aus Inzuchten entstanden und Träger organischer Krankheiten sein. Das sieht man optisch nicht unbedingt, aber diese Tiere dürfen auf keinen Fall verpaart werden.

Vielleicht habt ihr schon mal solche hübschen Tiere gesehen. Diese Zeichnungen nennt man Schimmel (oben) und Dalamtiner (unten).

Schön ja, aber gefährlich für die Zucht, jedenfalls in unerfahrenen Händen. Wieso?

Diese Tieren vererben das Schimmel- und Dalmatinergen, ohne dass man es den Jungtieren ansehen muss. Das heißt, jedes Baby (solcher Elterntiere) mit nur einem weißen Haar, trägt dieses Gen in sich. Das heißt auch, dass jedes Meerschweinchen dieses Gen in sich tragen kann. Man sieht es nicht, nur im Stammbaum ist es erkennbar.

Was passiert nun, wenn ich so ein Tier verpaare? Wenn du richtig viel Glück hast, trägt das Partnertier kein Schimmel oder Dalmatiner in der Genetik und es läuft alles gut. Wieder aber werden die Gene weiter
gegeben. (Achtung Inhalt kann falsch verstanden werden!) Wenn Du Pech hast (und das passiert gar nicht so selten), verpaarst du zwei Tiere mit dieser Genetik und hier kommt es zur Katastrophe. Die Babys werden schwerst behindert oder tot geboren. Viele sind blind, taub, haben keine Zähne. Eine weitere Gefahr: die Mutter kann bei dieser Geburt versterben. Und das alles nur, weil zwei gleiche Gene aufeinander treffen. Nehmt euch mal die Zeit und lest die Geschichte von so einem armen Tier

Ist es das Wert, dieses Risiko einzugehen, nur weil wir Menschen so versessen darauf sind, dass unsere Tiere Babys bekommen? Nur weil es so schön ist, für unsere Kinder so eine Geburt mal mitzuerleben? Nein!

Ihr seht, dass es weitaus mehr bedeutet, Züchter zu sein, als nur Tiere zu verpaaren. Züchten ist keine künstlerische Aktivität. Ein Züchter hat eine große Verantwortung und eine vernünftige Zucht kostet ihm viel Zeit und Geld. Reich wird dadurch niemand!

Schaut genau hin, woher ihr eure Tiere holt. Fragt viel nach, schaut euch an, wo und wie die Tiere leben. Seid skeptisch! Wir alle haben Verantwortung für die kleinen Lebewesen.

Eure Lotta.