Die Zähne von Nagern und Kaninchen wachsen täglich. Die vorderen Schneidezähne sieht man ohne weitere Probleme. Meerschweinchen haben zwei Paar Schneidezähne, Kaninchen besitzen drei Paar, 2 Paar sitzen oben und zwar hintereinander. Hinter den Schneidezähnen ist eine Lücke und erst dann kommen die Backenzähne. Diese sieht man nicht so ohne weiteres, dazu braucht man schon andere Hilfen. Dies sollte auch nur ein fachkundiger Tierarzt tun.

Alle Nagerzähne, egal ob vorne oder hinten, wachsen immer zu. Deshalb ist die richtige Ernährung hier so wichtig. Denn die Nager und Kaninchen müssen durch das Nagen und Kauen ihre Zähne abreiben. Sonst werden sie zulang, wachsen schief oder können sich durch die Zunge bohren.

Heu ist also nicht nur für den Darm so wichtig, sondern auch für die Zähne. Denn durch das Mahlen des Heu´s werden die Zähne abgerieben, auch Äste von Obstbäumen oder ein Haselnussstrauch könnten hier helfen.
Ein häufiger Irrglaube ist, dass trockenes Brot sich dafür gut eignet. Jedoch weicht dieses sofort im Mund auf und ist aufgrund seiner Inhaltsstoffe (Getreide, Zucker, Salz) absolut ungesund für unsere
Nager.
Ebensowenig die handelsüblichen Knabberstangen, denn diese enthalten Honig genauso wie Getreide. (Getreide dürfen Meerschweinchen und Kaninchen nicht fressen, andere Tiere hingegen schon, bitte informiere Dich vorher genau)

Für einen vernünftigen Zahnabrieb reichen also gutes Heu und Äste zum Knabbern. (Achtung bei Ratten! Diese dürfen kein Heu im Käfig haben, weil es zu sehr staubt und für die Tiere lebensgefährlich werden kann!)

Es kann durch das ständige Wachsen der Zähne auch schon mal zu Zahnproblemen kommen. Sollte Dein Tier also plötzlich komisch fressen, weniger fressen oder gar nicht mehr, muss es dringend vom Tierarzt
untersucht werden. Zu einem Gesundheitscheck gehören auch die anderen Zähne. Kleinste Zahnspitzen auf den Backenzähnen könnten dem Tier wehtun. Diese kleinen Zahnspitzen können aber viele Ursachen haben. Hier gilt es, richtig und umfassend zu untersuchen. Die erste Frage ist: frisst das Tier schlecht, weil es Zahnspitzen hat oder hat es Zahnspitzen, weil es schlecht frisst. Es ist ein bisschen wie: was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?

Zahnprobleme können unter anderem auch durch einen Abszess oder Tumor im Kiefer (unbedingt Röntgen!), eine Entzündung oder auch schlechte Zahnwurzeln entstehen. Es gibt Tiere, die ein lebenslang regelmäßig zum Zahnarzt müssen. Viele Zahnerkrankungen heilen nicht mehr richtig ab weil die Zähne schief stehen. Hier müssen sie dann manuell gekürzt werden. Natürlich ist es nicht angenehm für das Tier, aber so hat es
eine Chance, noch weitere Jahre zu leben.

Manchmal reicht das regelmäßige Kürzen alleine nicht aus, einige Tiere haben dennoch Probleme mit dem Fressen. Hier kann es helfen, das Gemüse in schmale Stifte zu schneiden. So muss das Tier vorne nicht abbeißen, sondern kann es direkt mit den Backenzähnen zerkauen. So können auch Tiere ohne Schneidezähne weiter leben.

Bei akuten Zahnerkrankungen kann es notwenig werden, das Tier per Spritze zu füttern. Das kann über Wochen notwendig werden, lohnt sich aber sehr. Die Tiere brauchen einfach ihre Zeit, bis sie wieder
alleine fressen können. Hier ist es wichtig, mit dem Tierarzt zu sprechen, wie weit es für das Tier tragbar ist. Einige Tiere fressen den Brei sogar alleine aus einem Napf. Infos zum Thema “Päppeln” bekommt Ihr hier:

Die Regelmäßige Kontrolle der Schneidezähne ist also bei allen Nagern und Kaninchen sehr wichtig. Sie sollten gerade aufeinander liegen. Sind sie schief oder wachsen über die anderen, ist es ein Zeichen
dafür, dass etwas nicht stimmt. Hier sollte sofort gehandelt werden. Einige Tiere sind sehr empfindlich mit den Zähnen und zeigen schnell,wenn etwas drückt. Kaninchen dagegen sind meist sehr hart im Nehmen und
fressen selbst dann noch, wenn die Backenzähne schon die Zunge durchbohrt haben.


Auf diesem Röntgenbild sieht man das Gebiss eines Meerschweinchens. Es begann alles mit einem Abszess im Unterkiefer, erst nach sechs Monaten traten weitere Probleme auf. Das Bild zeigt, dass sich ein unterer
Schneidezahn gespalten und durch den ganzen Unterkiefer gewachsen war. Das Tier wurde operiert und kämpfte lange um seine Gesundheit, doch es wurde eine weitere Operation notwendig (der Zahn war nachgewachsen). Das Tier gab den Kampf auf. Der Besitzer musste sich der schweren Herzens entscheiden, das Tier zu erlösen. Aber andere Tiere haben mehr Glück, so ist mir ein vergleichbarer Fall
mit einer Ratte bekannt. Diese wurde wieder gesund und lebte noch lange nach dieser OP.

Übrigens: Gelbe Zähne sind kein Zeichen für Karies, sondern z.B. bei Ratten und Mäusen ganz normal.